PC-Build 2026

PC-Build 2026
Photo by giuse / Unsplash

Seit ein paar Wochen sitze ich vor meinem Mac Mini und denke: „Eigentlich müsste man mal wieder einen richtigen PC bauen.“ Nebenbei gucke ich diese Youtube-Influencer-Videos, weil ich krank danieder liege (totbringende Männergrippe galore) und der Gedanke manifestiert sich, vermutlich weil ich eben doch wie viele Männer um die vierzig schon Rennrad fahre und deshalb noch etwas anderes für die Midlife-Crisis brauche.

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Das ist natürlich überspitzt. Ich fahre schon seit ich Studierender war Rennrad und meine Depression kann ich auch ohne Midlife-Crisis.

Ich möchte also einen PC bauen. Also so einen echten. Mit Gehäuse. Mit Lüftern. Mit Grafikkarte. Mit RAM und mit Wärmeleitpaste. Mit Kabelmanagement und BIOS (EFI) und dieser völlig irrationalen Euphorie, wenn der Rechner zum ersten Mal bootet. Da soll Linux drauf. Ich will eine extrem coole, schnelle Linux-Box auf die ich auch mal eine Windows-Testversion ballern kann um zu zocken. Ich will das Potential zum Zocken haben. Aber ich will auch schnell kompilieren.

Ich sage ja zu x86

Denn ich habe seit vielen Jahren kein x86 mehr im Haushalt.

Das Problem ist nur: Ich habe privat seit ungefähr 2004 praktisch ausschließlich Macs benutzt. Power Mac G5, iMacs, MacBooks, später M1 Pro und M4. Diese ganze PC-Welt existierte für mich eigentlich nur noch aus der Distanz. Wie ein Paralleluniversum, das irgendwann in RGB-Beleuchtung und Twitch-Streaming verschwunden ist. Und ich finde das furchtbar. Diese Entwicklung der krabbelbunten, furchtbar übertriebenen, getunten Golf II GTI Computer, unten im Dorf an der Bushaltestelle.

Und plötzlich war da wieder dieser Gedanke. Ein kompakter Gaming-PC. Nicht irgendein Plastik-Raumschiff, sondern etwas Schönes. Ein kleines Designobjekt fürs Wohnzimmer. Vielleicht im Stil alter HiFi-Komponenten. Holz. Schwarzes Mesh. Minimalistisch. Ein bisschen wie ein skandinavisches Möbelstück, das zufällig Cyberpunk darstellen kann. Oder so ähnlich. Die Ideen sind unendlich und viele gefallen mir heutzutage wieder, ganz im Gegensatz zu Gaming-Computern aus den 2000ern.

Also begann ich zu recherchieren. Und erstaunlicherweise war ich zunächst begeistert. Denn überall las man plötzlich denselben Satz:

„AM4 ist jetzt der günstige Sweet Spot.“

Die Idee klang auch erstmal logisch. Ältere Plattform. Ausgereift. Günstig. DDR4-RAM billig. Ryzen 5600. Eine Radeon RX 7600 oder 6700 XT dazu. Fertig. Ein schöner 1080p-Gaming-PC für vernünftiges Geld. Das reicht mir. Ich brauche kein 4K-Gaming was nur mit einer 2500€ Grafikkarte realisierbar ist.

Und ehrlich gesagt hatte ich mich an der Stelle innerlich schon entschieden. Ich hatte sogar schon ein Gehäuse gefunden. Das wunderschöne Lian Li DAN A3 Wood. Ein Gehäuse, das nicht aussieht wie „Gaming“, sondern wie etwas, das man freiwillig im Wohnzimmer stehen lässt. ITX ist zu teuer. Dort kostet alles Aufpreis, je kleiner desto teurer. Die Netzteile, die Mainboards und die Kompromisse an das Kabelmanagement etc. pp.…

Lian Li Dan a3 Wood
Lian Li Dan a3 Wood (C) Mr. Matt Lee

Plötzlich machte dieses ganze Projekt Spaß. Das Lesen von Hardwareforen, was ich von früher noch kannte. Das Vergleichen von Kühlern. Dieses Abtauchen in Komponentenlisten, das ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht hatte, aber von anderen Nerdereien wie Hifi-Komponenten gut kenne.

Und dann kam der RAM.

Genauer gesagt: die Erkenntnis, dass die ganze Grundlage dieses vermeintlichen Preis-Leistungs-Builds eigentlich längst kollabiert war. Denn während ich gedanklich noch irgendwo in 2024 unterwegs war — „DDR4 kostet doch fast nichts mehr“ — hatte die Realität längst beschlossen, komplett absurd zu werden.

a pair of xfx radeon rx 4800 and rx
Photo by Andrey Matveev / Unsplash

32 GB DDR4 Ram für 250 Euro. Teilweise mehr. Für DDR4? Für eine Technologie, die eigentlich gerade auslaufen sollte. Und plötzlich fiel dieses ganze Kartenhaus zusammen. Denn der gesamte Reiz vom AM4 bestand ja darin, dass man günstig einsteigen konnte. Günstiger RAM. Günstige Boards. Reife Plattform. Wenn aber allein der Arbeitsspeicher plötzlich wieder Mondpreise erreicht, ergibt das Ganze keinen Sinn mehr.

Massive Preissteigerungen bei Speicher | Lars Händler
Blog, Gelesene Bücher, Projekte und Social Links

Lars hat die massive Preissteigerung bei RAM ebenfalls beleuchtet.

Dann sitzt man plötzlich da und denkt: "Warum baue ich eigentlich eine Plattform von gestern auf, wenn die Preise fast auf dem Niveau aktueller Systeme liegen?" Und genau da wurde mir klar, wie kaputt dieser Markt inzwischen eigentlich ist. Denn der Grund dafür ist nicht etwa ein technischer Fortschritt, der mir als Nutzer zugutekommt. Sondern die gigantische Verschiebung der Halbleiterindustrie Richtung KI-Infrastruktur. Jeder Arsch und sein Bruder (außer der Öl-Lobby, die erpresst die Preise an den Tankstellen) profitiert vom KI-Boom und versucht selbstverständlich, denn wir sind Turbokapitalisten, das letzte Quäntchen herauszuholen.

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HBM-Speicher. AI-Beschleuniger. Datacenter. Training-Cluster. Milliardeninvestitionen. Der komplette Markt richtet sich inzwischen auf künstliche Intelligenz aus. 

Und irgendwo am Rand sitzt dann jemand wie ich und denkt einfach nur: „Ich wollte doch eigentlich nur mal wieder einen schönen kleinen Gaming-PC bauen.“

Das Absurde daran ist nicht einmal der Preis selbst. Es ist dieses Gefühl, dass der normale Consumer plötzlich gar nicht mehr die Zielgruppe ist. Wir Endbenutzer haben diese PC-Spiele-Industrie jahrelang groß gemacht und werden jetzt für einen KI-Hype links liegen gelassen. Ich bin nicht verletzt. Ich bin nicht böse. Ich bin enttäuscht.

Früher war Technik irgendwann billiger geworden. Das war die völlig normale Regel. Alte Plattformen wurden erschwinglich. Hardware demokratisierte sich mit der Zeit.

Heute passiert das Gegenteil.

Alte Technologien werden plötzlich wieder teuer, weil Produktionslinien eingestellt werden, während gleichzeitig alles auf AI-Margen optimiert wird. Der PC-Markt wirkt inzwischen teilweise wie ein Nebenschauplatz einer Industrie, die sich längst entschieden hat, dass Rechenzentren wichtiger sind als Menschen mit Schreibtischen.

Und ehrlich gesagt hinterlässt das bei mir ein seltsames Gefühl. Denn ich merke zunehmend, wie sehr sich Technik gerade von etwas Spielerischem entfernt. Früher war ein Computer für mich Kreativität. Musik. Schreiben. Webseiten bauen. Modding. Doom installieren. IRC. Linux kaputt konfigurieren. Solche Dinge.

Heute fühlt sich Technologie oft an wie Infrastruktur für Konzerne. Und KI beschleunigt genau diese Entwicklung massiv. Natürlich sind Sprachmodelle faszinierend. Natürlich benutze ich sie selbst. Aber gleichzeitig verschiebt sich gerade etwas Grundsätzliches. Der Ressourcenverbrauch explodiert. Energieverbrauch explodiert. Hardwarepreise explodieren. Und alles scheint sich nur noch um Skalierung zu drehen. Größer. Mehr Tokens. Mehr Training. Mehr Datacenter.

Aber wohin eigentlich? Brauchen wir wirklich Kühlsysteme in Rechenzentren, die aussehen wie Kraftwerke, damit am Ende noch mehr mittelmäßige LinkedIn-Posts generiert werden können? Oder Heinz-Günther Bilder in seinem Blogpost rein schiebt? Ganz klar: nein. Es ging früher auch ohne Bilder. Es ist beliebig. Es setzt sich ohnehin nicht ab. KI für die breite Masse verbieten. Das wäre vernünftig für die Welt. Aber ich schweige ab. Es geht ja um meinen Mini-PC-Bau.

Und trotzdem werde ich diesen PC wahrscheinlich bauen. Nicht trotz dieser absurden Situation, sondern vielleicht gerade deshalb. Weil ein kleiner Rechner mit Holzfront und einer halbwegs vernünftigen Grafikkarte plötzlich fast wie ein stiller Gegenentwurf wirkt. Ein Computer, der einfach nur ein Computer sein darf.

Und das ist 2026 offenbar schon fast wieder eine radikale Idee. Denn entweder ich baue gar nichts, oder ich stecke 15000€ hinein, bin Influenzier und lebe davon, extrem zu sein.

Junge! Junge!

Building PC Build

Also hier ist, was ich mir ausgedacht habe, was ich haben möchte. Ich möchte unter 1000€ bleiben. Ich werde nun doch AM5 nutzen, es gibt ja keinen Grund mehr, bei der älteren Sache zu verweilen, wenn die mittlerweile schon Legacy-Upmoney kostet. Dann gleich richtig. 1440p Gaming.

  • CPU: Ryzen 7600 (X)
  • Mainboard: B650 mATX
  • RAM: 32 GB DDR5
  • VGA: RX 7600 XT
  • Gehäuse: DAN A3 Wood
  • Netzteil: be quiet! Pure Power 12 650W
Was Name Preis
Prozessor Ryzen 7600(X) 150€
Arbeitsspeicher 16 GB DDR5 280€
Grafikkarte Gigabyte Radeon RX 9060 XT 16GB 270€
Mainboard ASRock B650M PG Lightning 110€
Gehäuse Lian Li DAN a3 89€
Netzteil be quiet! 650 W 65€
Festspeicher 1 TB NVMe SSD 120€
Endpreis ca. 1100€

Ein kleiner Vorteil: in den DAN A3 passt ein normales ATX-Netzteil, das spart ein bisschen Geld gegenüber minifizierten ITX Netzteilen. Wir sind mit einer 8 GB XT 7600 im Budget von unter 1000€. Allerdings fühlt sich das nach einem Kompromiss an. Sämtliche Reviews erzählen, dass 8 GB für aktuelle Triple A Spiele nicht mehr ausreichen. Das würde mich normalerweise nicht interessieren, aber wenn ich hier gerade einen neuen, modernen PC zusammen baue und dann schon einen dicken Kompromiss mit einer nicht mehr zeitgemäßen Grafikkarte eingehe, fühlt sich das nicht richtig an. Also müssen wir eine RX 9060 XT 16 GB Karte nehmen. Diese liegen bei 399€. Und ich hatte den Festspeichern vergessen. Und so landen wir bei 1100€ mit 16 GB-Ram.

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Es bleibt natürlich so oder so verdammt viel Geld für nichts, außer ein bisschen Abwechslung.
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