Beets räumt den Magen auf (MP3-Tagging im Terminal)
Musiksammlungen wachsen selten geplant. Sie entstehen. Aus alten Backups, aus gerippten CDs, aus Downloads, aus obskuren Bandcamp-Käufen um drei Uhr nachts. Irgendwann hat man dann mehrere tausend Dateien, die irgendwie zusammengehören, aber sich nicht mehr wirklich verstehen. Unterschiedliche Schreibweisen, fehlende Tags, kryptische Ordnernamen. Und spätestens dann, wenn man die Sammlung nicht nur besitzt, sondern nutzt – etwa über Navidrome – wird klar: So kann das nicht bleiben. Ich hab irgendwann meine alte MP3-Platte wieder gefunden, mich gefreut und ein wenig darüber nachgedacht, dann einen MP3-Streaming-Server installiert und höre seitdem sehr viel von meiner eigenen Sammlung. Weil ich dadurch wieder zu Musik und Künstlern komme, die ich schon lange vergessen hatte. Die hätte mir auch kein Knödel-Algorithmus von Spotify vorgeschlagen (außerdem sollte man Spotify meiden). Und jetzt geht es um die Organisation meiner Sammlung.
Beets ist eines dieser Werkzeuge, die keine großen Versprechen machen, sondern still ihre Arbeit erledigen. Es ist ein Terminalprogramm, das sich ausschließlich um Metadaten kümmert. Keine GUI, keine Animationen, kein Schnickschnack. Stattdessen ein sehr klarer Ansatz: Musikdateien werden analysiert, mit einer verlässlichen Referenzdatenbank (MusicBrainz) abgeglichen und anschließend konsistent benannt, sortiert und getaggt. Das Ergebnis ist keine neue Musik, sondern eine neue Ordnung.
Was Beets im Kern tut, ist schnell erklärt, aber in der Wirkung enorm. Es liest vorhandene Tags aus, vergleicht sie mit bekannten Releases, fragt im Zweifel nach und korrigiert dann mit verschiedenen Optionen und Möglichkeiten. Albumkünstler werden vereinheitlicht, Tracknummern stimmen plötzlich, Compilations sind auch als solche erkennbar. Dinge, die man jahrelang ignoriert hat, weil sie mühsam waren, erledigt Beets in einem Rutsch.

Ich mag an Beets vor allem den Umstand, dass es mich zwingt, Entscheidungen zu treffen. Beim Import zeigt das Tool Vorschläge an, inklusive Abweichungen, Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten. Man kann zustimmen, nachbessern oder überspringen. Das fühlt sich weniger nach Automatik an und mehr nach Aufräumen mit System.
Warum das für Navidrome so gut funktioniert
Navidrome ist schnell, schlank und angenehm unaufgeregt. Aber Navidrome ist kein Magier. Es zeigt nur das an, was in den Dateien steckt. Wenn dort Chaos herrscht, spiegelt sich das unmittelbar im Webinterface und in den Clients wider. Beets ist deshalb kein optionales Extra, sondern fast schon die logische Vorstufe.
Eine sauber mit Beets gepflegte Bibliothek bringt für Navidrome vor allem drei Dinge:
- konsistente Künstler- und Albennamen, was Suche und Sortierung deutlich verbessert
- vollständige und korrekte Album-Metadaten inklusive Cover
- eine stabile Ordnerstruktur, die schnelle Scans und zuverlässige Updates ermöglicht
Gerade wenn mehrere Clients auf dieselbe Library zugreifen – Web, Mobile, Terminal – merkt man schnell, wie viel entspannter sich Musik nutzen lässt, wenn die Grundlage stimmt.
Klassische Installation
Beets ist erfreulich unspektakulär zu installieren. Unter einem aktuellen Ubuntu 24.04 geht das direkt aus den Paketquellen. Ein Terminal reicht.
Zuerst die Paketliste aktualisieren und Beets installieren:
sudo apt update
sudo apt install beets
Beets konfigurieren (beet config -e)
Die gesamte Steuerung von Beets läuft über eine einzige Datei: config.yaml. Sie liegt unter:
~/.config/beets/config.yaml
Am einfachsten bearbeitet man sie direkt mit dem eingebauten Editor-Aufruf:
beet config -e
Damit öffnet Beets die Konfigurationsdatei im Standardeditor (meist nano oder vim). Eine sinnvolle Minimal-Konfiguration für eine Navidrome-Library könnte so aussehen:
directory: /srv/music
library: ~/.config/beets/library.db
import:
move: no
copy: yes
resume: ask
incremental: yes
paths:
default: $albumartist/$album/$track - $title
comp: Compilations/$album/$track - $title
plugins: fetchart embedart duplicates scrub
fetchart:
auto: yes
embedart:
auto: yes
scrub:
auto: yes
Kurz erklärt, was hier passiert: Beets kopiert (erst mal) importierte Dateien in ein neues, sauberes Zielverzeichnis, schreibt korrigierte Tags direkt in die Dateien, behandelt Compilations separat und sorgt automatisch für Cover-Downloads und eingebettete Bilder. Genau das, was Navidrome später erwartet. Eigentlich wollen wir auch noch aktivieren, dass automatisch die Lyrics gesucht und in den Song embedded werden. Dann zeigt Navidrome wie Spotify auch die Liedtexte an.
Musik importieren
Der zentrale Arbeitsbefehl von Beets ist import. Damit wird Musik analysiert, abgeglichen und einsortiert.
beet import /pfad/zu/deiner/musik
Beets zeigt Vorschläge an und fragt bei Unsicherheiten nach. Nichts wird ohne Zustimmung verändert. Gerade beim ersten Import lohnt es sich, langsam und aufmerksam durchzugehen.
Wichtig: Beets fragt für jedes Album:
- Apply - Metadaten anwenden (empfohlen bei guten Treffern)
- Skip - Album überspringen
- As is - Importieren ohne Tagging
- Enter search - Manuelle Suche
- Use as-is - Originaltags beibehalten
Wichtige Beets-Befehle im Alltag
Nach dem Import ist Beets nicht „fertig“, sondern wird zum Werkzeugkasten. Ein paar Befehle tauchen immer wieder auf:
beet status
Zeigt an, ob es nicht importierte Dateien oder offene Aufgaben gibt.beet ls
Listet Inhalte der Bibliothek auf, filterbar nach Künstler, Album, Genre usw.beet info QUERY
Zeigt detaillierte Metadaten zu einzelnen Tracks oder Alben.beet modify
Ermöglicht nachträgliche Änderungen an Tags – gezielt und reproduzierbar.beet duplicates
Findet doppelte Dateien anhand von Metadaten oder Checksummen.beet update
Aktualisiert die Beets-Datenbank, wenn Dateien außerhalb von Beets geändert wurden.
Diese Befehle machen Beets langfristig wertvoll: Die Musikbibliothek bleibt kein statisches Archiv, sondern ein gepflegter Bestand, wie meine Vinyl-Sammlung auch.
Fazit
Beets hat mir nicht nur geholfen, meine Musikbibliothek aufzuräumen. Es hat mir auch gezeigt, wie sehr Ordnung die Nutzung verbessert – nicht aus Prinzip, sondern aus praktischen Gründen. Navidrome profitiert davon unmittelbar, aber auch unabhängig davon fühlt sich eine saubere Library einfach richtig an. Man kann den vollständig getaggten Kram natürlich auch auf seinem Powermac G5 in iTunes importieren und von dort auf seinen Ipod Classic überspielen, es gibt viele Möglichkeiten 😄
Beets ist kein Tool für Perfektionisten, sondern für Menschen, die ihre Musik ernst nehmen. Nicht im Sinne von Besitz, sondern im Sinne von Pflege. Und das ist – gerade in Zeiten von flüchtigem Streaming – vielleicht das Beste, was man seiner eigenen Sammlung antun kann.
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