GoToSocial ist eine gute Idee
Ich bin schon lang ein großer Freund des Selbsttuns und habe bereits im Elternhaus, um das Jahr 2002 herum, meinen eigenen kleinen Linux Server (erst mit Red Hat 9, Fedora Core 1/2 und später mit CentOS) betrieben. Den "Server" habe ich aus dem elterlichen Arbeits-PC des Vaters unerlaubter Weise umgebaut und zur Linux-Maschine umfunktioniert. Sehr zur allgemeinen Freude der Elternschar, als sie es entdeckten. Aber wie dem sei, soll es hier ja gar nicht um die Nostalgie früherer Sysadmin-Tage gehen, sondern um den Fediverse Server GoToSocial (GTS). Genauer gesagt ist GoToSocial ein leichter, open-source zugehöriger ActivityPub Social Network Server der in der Programmiersprache Go(lang) geschrieben ist und deshalb sehr flott arbeitet. Das liegt vor allem auch daran, dass er nicht alle Features und Möglichkeiten implementiert, eine Reise mit leichtem Gepäck sozusagen.

Die größte Besondheit von GTS ist deshalb, dass es im Gegensatz zu Mastodon o.ä., ohne grafische Benutzeroberfläche, ohne Webinterface-frontend, auskommt. Es beinhaltet nur die Server-Komponente und eine rudimentäre Darstellung der Inhalte auf einer Website. Aber es gibt kein Webbackend in das ich mich einloggen kann um etwa meine Beiträge zu verfassen. Dies wird dem Benutzer und damit Drittanbietern überlassen.
Weil ich gern und viel und fast ebenso lange ins Internet hinein schreibe und darüber (hinaus) auch immer wieder mit anderen kommunizert habe, bietet es sich an, neben einem Weblog oder klassischem Email und IRC auch ein Soziales Netzwerk zu bedienen. Ganz zu Beginn habe ich mit Orkut angefangen und bin bereits 2007 auf Twitter aufgesprungen, was selbstverständich seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt werden sollte, weil sich dort rechte Machenschaften (neoliberlaer) faschistischer Ideologen verbreiten.

Ich bin zum Orkut Netzwerk eingeladen worden (2005)
Und weil eben nach der Übernahme durch Elron Mask jene politische Wende auf Twitter Einzug hielt, suchten und suchen die Leute immer öfter, immer vehementer nach Alternativen. Und eine dieser Alternativen ist dieses ActivityPub Protokoll.
Und dann hosten sie das selbst. Sie betreiben also freiwllig einen Server mit einem Sozialen Netzwerk, und ich beschreibe das stark verkürzt, bei sich selbst, um der Abhängigkeit von großen Tech-Giganten zu entgehen und wieder selber Herr und Frau und Divers der eigenen Daten zu werden und zu bleiben. Ich übrigens auch. Ich betreibe ein eigenes Spotify und ein eigenes Fediverse und einen eigenen Mailserver und noch ein paar andere Dienste (IRC) mehr - weil mir das Freude bereitet und weil es mich eventuell unabhängiger macht. Slave to the wages wie dereinst der junge Brain Molko sang und dessen wir uns entledigen wollen. Aber erneut werfe ich ein Wie Dem Auch Sei in den Saal, denn darum geht es nicht. Es geht nich um all die tollen IT-Spielerein die ich so umsetze, sondern um GoToSocial.
Der Trend zum Self-Hosting (Selbst-Hosten) – oft auch als digitale Selbstversorgung bezeichnet – erlebt einen massiven Aufschwung. Immer mehr Privatpersonen und Entwickler verlegen ihre Daten und Dienste weg von den großen Tech-Konzernen (Big Tech) zurück auf eigene Server, Mini-PCs oder gemietete Instanzen. Der moderne Self-Hosting-Trend unterscheidet sich dabei aber grundlegend von den komplizierten Bastellösungen früherer Tage, wie ich sie eingangs beschrieben habe.
Man sollte GoToSocial also installieren,wenn man einen eigenen, sehr ressourcenschonenden Zugang zum Fediverse (über das ActivityPub-Protokoll, kompatibel zu Mastodon) sucht und bestimmte Voraussetzungen mitbringt: Man möchte sich selber hosten, man braucht keine grafische Oberfläche und man sucht besondere Sicherheit, die man öffentlich nicht umsetzen könnte.

GoToSocial besteht aus einer Binäry-Datei, einer Config-Datei, einem Sorage-Ordner, wo die Medien der eigenen Instanz und der anderen Instanzen gesammelt werden, einem Web-Ordner, wo die Dateien für das Webfrontend enthalten sind und einem Ordner mit Beispielkonfigurationen. Hier liegt auch die config.yaml, die für die Einrichtung des Servers wichtig ist. Mehr nicht.
Einrichtung
Da GoToSocial den Webserver schon mitbringt, muss für den Betrieb des Servers kein anderer Webserver (Nginx oder Apache) installiert werden. Dies ist von Vorteil, wenn auf dem Server eh nur GoToSocial laufen soll, da dann der Wartungsaufwand reduziert wird. GoToSocial kann aber auch mit Nginx oder Apache betrieben werden, was sinnvoll ist, wenn neben GoToSocial auch andere Dienste laufen sollen. Ich betreibe GoToSocial mit vielen anderen Diensten auf einem RaspberryPi und nutze den Caddyserver (meinen Lieblingswebserver).
Auch die Installation einer Datenbanksoftware ist nicht notwendig, da GoToSocial SQLite integriert hat und damit wunderbar läuft. Wer eine andere Datenbank nutzen möchte, kann dies mit PostqresQL tun. Ebenso integriert ist LetsEncrypt, sodass die Instanz sofort mit einem Zertifikat versorgt ist, sobald der Dienst gestartet wird, die Kommunikation über das Internet läuft also sofort über die sichere HTTPS-Verbindung, ohne dass da noch irgendwo was konfiguriert werden muss.
Im Grunde beschränkt sich der Einrichtungsaufwand darauf, die Parameter in der config-Datei anzupassen, die nötige Portfreigabe im Router und in der Firewall zu aktivieren - zumindest wenn der Server im Heimnetz betrieben wird - und die Domain auf den Server zu verweisen. Zum Beispiel per DynDNS, Dann muss noch ein Nutzer*Innenkonto angelegt werden und schon kann der Spaß losgehen.
GTS eignet sich nicht nur als Server für mehrere Personen, sondern aufgrund seiner Leichtgewichtigkeit auch als sogenannte Single User Instance. Man betreibt sein GTS also komplett für sich selber. Und der Rest der Welt föderiert mit einem. Ich betreibe mein GTS nun seit circa 1.5 Jahren und verbrauche gerade knapp 8.9 GB an Speicherplatz, was völlig okay ist.

In Zeiten von KI/AI werde ich allerdings keine Schritt-Für-Schritt-Anleitung mehr schreiben, weil das vergebene Liebesmüh ist sich jeder selbst zusmamen klicken kann. Und damit aktueller bleibt, als es dieser Blogartikel zum Veröffentlichungszeitraum sein kann.
Funktionen
- Du kannst Menschen im gesamten Fediverse folgen und dir können Menschen aus dem gesamten Fediverse folgen
- Du kannst Nutzer*Innen blockieren
- Du kannst dich über neue Beiträge von bestimmten Nutzer*Innen benachrichtigen lassen
- Du kannst Beiträge erstellen, auf Beiträge antworten, diese Boosten und Liken
- Du kannst eigene Beiträge im Profil anpinnen
- Du kannst Bookmarks setzen
- Du kannst Bilder und Videos teilen
- Du kannst Beiträge öffentlich, ungelistet und privat veröffentlichen
- Du kannst Umfragen erstellen oder an Umfragen teilnehmen
- Du kannst Hashtags nutzen, um dadurch andere Beiträge zu finden
- Du kannst Hashtags folgen
- Du kannst Nutzer*Innen Stummschalten
- Du kannst die Sichtbarkeit deiner Beiträge individuell anpassen und du kannst entscheiden, wer mit bestimmten Beiträgen interagieren kann
Fazit
GoToSocial ist ein wunderbarer Zugang zum Fediverse für Menschen, die ihre eigene kleine Instanz möchten, ohne dabei zu viel Zeit in die Wartung und Administration der notwendigen Dienste stecken zu müssen. GoToSocial hat sehr niedrige Systemanforderungen. Es läuft wunderbar im eigenen Heimnetz auf einem alten Rechner, ja sogar auf einem Raspberry 3 und bietet schon jetzt einen stabilen Zugang zum Fediverse. Ich lasse meins auf einem Raspi5 laufen und haben noch massig Luft nach oben.
Mein Instanzen-Frontend mit Custom CSS

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