Warum ich an „Stone Websites“ glaube – Webseiten gebaut wie in Stein
Ein ausführlicher Blick auf das Konzept „Stone Websites“: Webseiten, die für die lange Zukunft gebaut sind – stabil, simpel, nachhaltig."
In seinem Artikel “Stone websites” argumentiert Caio Lente (genau, der hier), dass moderne Webseiten zwar technisch beeindruckend sein können, aber oft nicht für die langfristige Verlässlichkeit und Wartbarkeit gebaut sind – im Gegensatz zu dem, was er „Stone Websites“ nennt: Webseiten, die gebaut sind wie in Stein gemeißelt.
Das Problem: Komplexität heute, Zerfall morgen
Lente bezieht sich auf ein älteres, jedoch weiterhin relevantes Essay von Jeff Huang (“This Page is Designed to Last”) (Link). Huang beschreibt dort seine Erfahrungen mit Link Rot – also dem Verfall von Webseiten, die nach Jahren nicht mehr unter demselben Link erreichbar oder funktionsfähig sind. Mit jedem neuen JavaScript-Framework (React, Vue, Angular etc.) wächst das Risiko, dass deine Inhalte in ein paar Jahren unbrauchbar werden, weil die Tools veralten oder verschwinden.
Er fragt sich: Wem vertraust du mehr – einem Tweet, der in fünf Jahren noch existiert, oder einem einfachen HTML-Dokument, das seit über einem Jahrzehnt stabil bleibt? Modernes Webdesign schafft beeindruckende Effekte, doch gleichzeitig wird es schwieriger, Inhalte langfristig verfügbar zu halten.
Die Prinzipien einer „Stone Website“
Lente und Huang schlagen konkrete Designprinzipien vor, um Webseiten robuster und beständiger zu machen. Dazu gehören:
- Reines HTML/CSS verwenden ohne unnötige Framework-Abhängigkeiten.
- HTML nicht minimieren, damit es leichter lesbar bleibt und weniger anfällig für Fehler wird.
- Lieber eine einzige Seite statt vieler kleiner Seiten, um weniger Verweise und damit geringeres Risiko für Broken Links zu haben.
- Hotlinking vermeiden – also keine extern eingebetteten Ressourcen, die morgen verschwinden könnten.
- Native Systemschriften nutzen, statt auf externe Font-CDNs zu bauen.
- Bilder komprimieren, um Ladezeiten gering zu halten und Resilienz zu erhöhen.
- Risiken von toten Links reduzieren, etwa durch Selbst-Hosting aller Inhalte.
Diese Entscheidungen mögen visuell „altmodisch“ wirken oder den Entwicklungsprozess weniger automatisiert machen. Aber sie haben einen klaren Vorteil: Die Seite bleibt funktionsfähig – Jahre oder Jahrzehnte – ohne große Wartung.
„Stone Website“ praktisch umgesetzt
Lente beschreibt anschließend, wie er diese Prinzipien auf seine eigene Website angewendet hat:
- Er serviert ausschließlich statische Ressourcen: HTML, CSS und Bilder werden direkt bereitgestellt – ohne externe APIs oder Services.
- JavaScript wurde komplett entfernt. Alle Inhalte, einschließlich Syntax-Highlighting und mathematischer Formeln, funktionieren ohne clientseitige Scripts.
- Er hostet Bilder, Fonts und Stylesheets lokal, was Tracking verhindert und Leistung verbessert.
- Es gibt keine Cookies, keine Analytics von Drittanbietern, keine Tracking-Pixel.
- Seine Seite erreicht Top-Scores in Tools wie Google Lighthouse und Mozilla Observatory für Performance, Sicherheit und Best Practices.
So funktioniert das ohne JavaScript
Lente kombiniert statische Werkzeuge wie Hugo (ein statischer Site-Generator), CSS-varianten von Chroma und KaTeX, die lokal eingebettet werden, um Code- und Formel-Darstellung zu realisieren – ganz ohne clientseitiges JavaScript. Das Ergebnis ist eine Seite, die vollständig nutzbar bleibt, selbst wenn moderne Browser in Jahren ältere JavaScript-Funktionen nicht mehr unterstützen.
Update: MathML ersetzt komplexe CSS
In einem späteren Update beschreibt Lente, wie der Browser-Support für MathML (eine native HTML-Möglichkeit für mathematische Formeln) einen früheren Workaround ersetzt hat, der zu komplex und wartungsintensiv geworden war. Dadurch bleiben mathematische Inhalte weiterhin einfach, selbst wenn externe Bibliotheken nicht länger verfügbar sind.
Was bedeutet das für Web-Praxis?
Die „Stone Website“ ist kein Trend für jeden modernen Webauftritt, aber sie:
- stellt Inhalte dauerhaft und unabhängig von externen Diensten bereit;
- verbessert Datenschutz und Sicherheit, da keine Tracking-Mechanismen eingebettet sind;
- fördert Performance und Zugänglichkeit, weil keine unnötigen Scripts geladen werden müssen;
- reduziert die Wartungslast langfristig, da weniger externe Abhängigkeiten existieren.
Fazit
Die Idee von „Stone Websites“ ist eine Mahnung: Webseiten sollten für die Zukunft gebaut werden, nicht nur für den aktuellen Stand der Technik. Wie antike Texte, die in Stein gemeißelt überdauern, sollten unsere digitalen Artefakte so aufgebaut sein, dass sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch lesbar und zuverlässig sind.
Wenn du über Stabilität, Nachhaltigkeit und langfristige Verfügbarkeit von Inhalten nachdenkst, ist dieses Konzept mehr als nur nostalgisch – es ist eine bewusste Design-Entscheidung.
Linkrot und der Verlust von Information aufgrund von fancy things ist eins der größten Probleme des modernen Webs. Ich selbst bin ein großer Fan vom Gemini://-Protokoll und sehe dort, dass es all das umsetz, was Lente für das moderne Web beschreibt. Nur nutzt es keiner.
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