Warum ich an „Stone Websites“ glaube – Webseiten gebaut wie in Stein

Ein ausführlicher Blick auf das Konzept „Stone Websites“: Webseiten, die für die lange Zukunft gebaut sind – stabil, simpel, nachhaltig."

Warum ich an „Stone Websites“ glaube – Webseiten gebaut wie in Stein
Photo by Drei Kubik / Unsplash

In seinem Artikel “Stone websites” argumentiert Caio Lente (genau, der hier), dass moderne Webseiten zwar technisch beeindruckend sein können, aber oft nicht für die langfristige Verlässlichkeit und Wartbarkeit gebaut sind – im Gegensatz zu dem, was er „Stone Websites“ nennt: Webseiten, die gebaut sind wie in Stein gemeißelt.

Das Problem: Komplexität heute, Zerfall morgen

Lente bezieht sich auf ein älteres, jedoch weiterhin relevantes Essay von Jeff Huang (“This Page is Designed to Last”) (Link). Huang beschreibt dort seine Erfahrungen mit Link Rot – also dem Verfall von Webseiten, die nach Jahren nicht mehr unter demselben Link erreichbar oder funktionsfähig sind. Mit jedem neuen JavaScript-Framework (React, Vue, Angular etc.) wächst das Risiko, dass deine Inhalte in ein paar Jahren unbrauchbar werden, weil die Tools veralten oder verschwinden.

Er fragt sich: Wem vertraust du mehr – einem Tweet, der in fünf Jahren noch existiert, oder einem einfachen HTML-Dokument, das seit über einem Jahrzehnt stabil bleibt? Modernes Webdesign schafft beeindruckende Effekte, doch gleichzeitig wird es schwieriger, Inhalte langfristig verfügbar zu halten.

Die Prinzipien einer „Stone Website“

Lente und Huang schlagen konkrete Designprinzipien vor, um Webseiten robuster und beständiger zu machen. Dazu gehören:

  1. Reines HTML/CSS verwenden ohne unnötige Framework-Abhängigkeiten.
  2. HTML nicht minimieren, damit es leichter lesbar bleibt und weniger anfällig für Fehler wird.
  3. Lieber eine einzige Seite statt vieler kleiner Seiten, um weniger Verweise und damit geringeres Risiko für Broken Links zu haben.
  4. Hotlinking vermeiden – also keine extern eingebetteten Ressourcen, die morgen verschwinden könnten.
  5. Native Systemschriften nutzen, statt auf externe Font-CDNs zu bauen.
  6. Bilder komprimieren, um Ladezeiten gering zu halten und Resilienz zu erhöhen.
  7. Risiken von toten Links reduzieren, etwa durch Selbst-Hosting aller Inhalte.

Diese Entscheidungen mögen visuell „altmodisch“ wirken oder den Entwicklungsprozess weniger automatisiert machen. Aber sie haben einen klaren Vorteil: Die Seite bleibt funktionsfähig – Jahre oder Jahrzehnte – ohne große Wartung.

„Stone Website“ praktisch umgesetzt

Lente beschreibt anschließend, wie er diese Prinzipien auf seine eigene Website angewendet hat:

  • Er serviert ausschließlich statische Ressourcen: HTML, CSS und Bilder werden direkt bereitgestellt – ohne externe APIs oder Services.
  • JavaScript wurde komplett entfernt. Alle Inhalte, einschließlich Syntax-Highlighting und mathematischer Formeln, funktionieren ohne clientseitige Scripts.
  • Er hostet Bilder, Fonts und Stylesheets lokal, was Tracking verhindert und Leistung verbessert.
  • Es gibt keine Cookies, keine Analytics von Drittanbietern, keine Tracking-Pixel.
  • Seine Seite erreicht Top-Scores in Tools wie Google Lighthouse und Mozilla Observatory für Performance, Sicherheit und Best Practices.

So funktioniert das ohne JavaScript

Lente kombiniert statische Werkzeuge wie Hugo (ein statischer Site-Generator), CSS-varianten von Chroma und KaTeX, die lokal eingebettet werden, um Code- und Formel-Darstellung zu realisieren – ganz ohne clientseitiges JavaScript. Das Ergebnis ist eine Seite, die vollständig nutzbar bleibt, selbst wenn moderne Browser in Jahren ältere JavaScript-Funktionen nicht mehr unterstützen.

Update: MathML ersetzt komplexe CSS

In einem späteren Update beschreibt Lente, wie der Browser-Support für MathML (eine native HTML-Möglichkeit für mathematische Formeln) einen früheren Workaround ersetzt hat, der zu komplex und wartungsintensiv geworden war. Dadurch bleiben mathematische Inhalte weiterhin einfach, selbst wenn externe Bibliotheken nicht länger verfügbar sind.

Was bedeutet das für Web-Praxis?

Die „Stone Website“ ist kein Trend für jeden modernen Webauftritt, aber sie:

  • stellt Inhalte dauerhaft und unabhängig von externen Diensten bereit;
  • verbessert Datenschutz und Sicherheit, da keine Tracking-Mechanismen eingebettet sind;
  • fördert Performance und Zugänglichkeit, weil keine unnötigen Scripts geladen werden müssen;
  • reduziert die Wartungslast langfristig, da weniger externe Abhängigkeiten existieren.

Fazit

Die Idee von „Stone Websites“ ist eine Mahnung: Webseiten sollten für die Zukunft gebaut werden, nicht nur für den aktuellen Stand der Technik. Wie antike Texte, die in Stein gemeißelt überdauern, sollten unsere digitalen Artefakte so aufgebaut sein, dass sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch lesbar und zuverlässig sind.

Wenn du über Stabilität, Nachhaltigkeit und langfristige Verfügbarkeit von Inhalten nachdenkst, ist dieses Konzept mehr als nur nostalgisch – es ist eine bewusste Design-Entscheidung.

Linkrot und der Verlust von Information aufgrund von fancy things ist eins der größten Probleme des modernen Webs. Ich selbst bin ein großer Fan vom Gemini://-Protokoll und sehe dort, dass es all das umsetz, was Lente für das moderne Web beschreibt. Nur nutzt es keiner.

💡
Der Autor bedient mit seinen Websites selbst nicht diese Standards, findet es aber an der Zeit sich ausführlicher damit zu beschäftigen.

Ressourcen zum Gemini://

Die taz in Gemini:// Beyond the Web: Deutschsprachige Medien und Projekte im Gemini-Universum
Die gescheiterte Utopie deutschsprachiger Gemini-Kapseln Wie ihr wisst, bin ich ein großer Freund des alternativen Protokolls gemini:// zur Darstellung von Text und Information. Man benötigt dazu einen speziellen Browser, der Gemini-Seiten anzeigen kann – und das war’s. Ich habe an dieser Stelle sehr ausführlich darüber geschrieben, falls sich jemand dafür interessiert,
Welcome to the Smol Web - Das Gemini:// Protokoll
Ich bin ja ein großer Freund von offenen Standards, zumindest wenn es um die Grundlagen und Protokolle und das Miteinander geht. Aus diesem Grund unterstütze ich auch das Indieweb mit seinen Möglichkeiten der Vernetzung und habe nun auch diverse Dinge in meinen Websites händisch implementiert. Allerdings wird an dieser Stelle
Das Netzwerk-Protokoll Gemini - The Real IndieWeb
Ich beschäftige mich ja sehr gern mit dem Thema Retrocomputing und betreibe alte Netzwerke, Server, Computer, Spiele und DiesDas. Ich lese gern im Usenet via Text-Client (vulg. SLRN) und überhaupt - I like the old net. Kürzlich bin ich dort über Gemini gestolpert. Gemini ist ein Netzwerkprotokoll, das entwickelt wurde,

Andere Ressourcen

This Page is Designed to Last: A Manifesto for Preserving Content on the Web
Dead Simple Sites — Minimal Website Inspiration
Dead Simple Sites curates the most minimal sites on the web.





Kommentare und Reaktionen



Reaktionen

Lade Interaktionen...


Aufrufe des Artikels: Lädt...

Beliebteste Artikel

    (C): All content, even lyrics and pictures, created by me: Jan Montag ∙ 2018 ∙ 2019 ∙ 2020 ∙ 2021 ∙ 2022 ∙ 2023 ∙ 2024 & 2025


    ~ Mondwärts Sonnentau - Writers make love to their demons ~



    done with ♥ in Mitteldeutschland


    An IndieWeb Webring 🕸💍

    < Zurück UberBlogr Webring Vor >



    thiswebsitekillsfascists button for websites

    I Can’t Relax in Deutschland



    Impressum